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Kann das stimmen?

DIE ZEIT, 27. April 2017   –   Titelgeschichte

Eine Million Männer gehen in Deutschland zu Prostituierten – Tag für Tag! 400.000 Prostituierte bieten auf deutschen Straßen, in Privatwohnungen und Bordellen ihre Dienste an ...

15,7 Prozent der Deutschen sind arm, ein neuer Rekord ...

Nur 8,4 Prozent der Frauen, die ihren Vergewaltiger anzeigen, erleben die Verurteilung des Täters – vor 20 Jahren waren es noch 21,6 Prozent ...

Fast die Hälfte der Arbeitsplätze könnte durch die fortschreitende Digitalisierung aller Lebensbereiche vernichtet werden, in den nächsten 13 Jahren ...

Eine große Mehrheit der Deutschen will künftig nicht mehr vom Auto abhängig sein ...

300 Frauen tragen in Deutschland eine Burka ...

Um mehr als ein Fünftel ist der Anteil von Kindern mit der Aufmerksamkeitsdefizit-Störung gestiegen, innerhalb von nur vier Jahren ...

21.000 Patienten könnten in Krankenhäusern und Heimen getötet worden sein – in einem Jahr …

In den Nachrichten, in den Talkshows, in den Zeitungen, im Plenarsaal des Bundestages, im Gemeinderat, auf der Frauendemo, auf Flugblättern, in Pressemitteilungen, in Gutachten, in Studien – überall treffen wir auf Zahlen. Sie prägen gesellschaftliche Debatten. Sie entscheiden über Verbote oder Fördergelder. Sie machen Politik.

Zahlen sind einfach. Sie scheinen nur eine Dimension zu haben. Sie reduzieren Komplexität auf klare und schnell zu vermittelnde Botschaften. Sie bringen die Dinge auf den Punkt, ohne viele Worte. Sie kondensieren Unmengen verschiedenster Befunde auf ein paar Ziffern, handhabbar und übersichtlich.

Zahlen, besonders große Zahlen, sind gut für große Aufregung. Mit großen Zahlen wird Stimmung gemacht. Sie wirken ideologiefrei und nüchtern, sie suggerieren Genauigkeit und Objektivität.

Und das ist das Problem: Auf den ersten Blick erscheinen Zahlen vertrauenswürdig. Man sieht ihnen aber nicht an, was hinter ihnen steckt. Und wer. Und mit welcher Absicht.

Zahlen sind nämlich nicht einfach da. Sie werden hergestellt. Und nicht jeder Zahlenproduzent hat lautere Motive – oder auch nur ausreichende Kenntnisse der Statistik. Dieser Text trägt viele Zahlen zusammen, mit denen etwas nicht stimmt, die einen falschen Eindruck erwecken: trügerische Zahlen und Zahl gewordene Lügen. Er soll helfen, Schummeleien und handfesten Betrug zu durchschauen. Was steckt also hinter den Zahlen über Prostitution, gefährdete Arbeitsplätze oder Armut?

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