Arbeiten

Und jetzt: Das Wetter

GEO, August 2016

Man schneide die Erdatmosphäre in Würfel und vertraue je einen dieser Luftquader einem zahlenkundigen Menschen an: So stellte sich der britische Meteorologe Lewis Fry Richardson die Arbeit an einer Wettervorhersage vor, im Jahr 1922. An Tischchen würden diese fleißigen Rechner sitzen und Daten zu Temperatur, Feuchte und Druck innerhalb ihres Würfels in Formeln einsetzen und die Ergebnisse weitergeben an die für die Nachbarwürfel zuständigen Rechner.

Etwa 64 000 dieser „Computer“ – so hießen die zahlenkundigen Kopfarbeiter im englischen Sprachraum tatsächlich – müssten ausreichen, kalkulierte Lewis Fry Richardson, um aus dem Wetter von heute das von morgen zu berechnen. Dafür würden sie ungefähr einen Tag brauchen. Die Wettervorhersage wäre also gerade so schnell fertig wie das Wetter selbst.

Klar, Richardsons Idee war unpraktikabel – und zugleich absolut genial. Seit nämlich Computer Maschinen sind, wird das Wetter tatsächlich genau auf diese Weise berechnet, innerhalb von ein, zwei Stunden. Und die Vorhersagen werden immer besser: Heute kann das Wetter für sechs Tage im Voraus so akkurat prognostiziert werden wie vor 40 Jahren für zwei Tage.

Denn tatsächlich sind nicht nur die Computer schneller geworden, sondern auch die Formeln besser und die Daten mehr. Eine „leise Revolution“ nennt das Fachmagazin Nature diesen Fortschritt in der Wettervorhersage: Er sei vergleichbar mit den fundamentalen Durchbrüchen in der Physik – werde bloß nicht so lautstark gefeiert.

Sie wundern sich, warum Sie kürzlich beim Grillen dennoch wieder nichts ahnend im Regen standen? Warum die Prognose der Handy-App so oft so wenig mit dem echten Wetter zu tun hat? Tatsächlich erscheint uns das Wetter heute häufig immer noch so unberechenbar wie zu den Zeiten von Lewis Fry Richardson.

Wie kann das sein?

Wer die Tücken der Vorhersage begreifen will, sollte das wöchentliche „Wetterturnier“ verfolgen. All die Schwierigkeiten, Regen, Sonne, Wind in den Griff zu bekommen, offenbaren sich wie unter einem Brennglas, wenn sich jeden Freitag Dutzende Prognosespezialisten darin messen, wer das Wochenendwetter für fünf Städte am präzisesten vorhersagt: für Berlin und Leipzig, für Zürich, Innsbruck und Wien. Verstreut über Deutschland, Österreich und die Schweiz, sitzen die Teilnehmer vor ihren Computern, werten Wetterdaten aus und feilen an ihren Prognosen. Die müssen sie auf der Website des Turniers eintragen, bis Punkt 17 Uhr.

Bei diesem Wettbewerb treffen sie alle aufeinander: die Menschen und die Maschinen, die Experten vom staatlichen Deutschen Wetterdienst und die von der privaten Konkurrenz.

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